Waldbauverein Rhein-Lahn und Kreisjagdgruppe nehmen Wiederbewaldungen im Privatwald unter die Lupe
J.Langshausen und M. Trenkhorst bei ihren Erläuterungen
Dass sich die vielzitierte „grüne Lunge“ auch künftig mit Hitzewellen und Wassermangel abfinden musste, hätte Petrus nicht schöner demonstrieren können, als an diesem Samstag. Für den Wald wäre das eigentlich schon genug der Drangsal. Doch damit einhergehend mussten die jungen Wälder auf dem Weg in die Zukunft auch darauf eingestellt werden, sich auch weiterhin erfolgreich mit ganz kleinen und großen Waldbewohnern herumzuschlagen. Während sich das Heer der Insekten neben den „üblichen Verdächtigen“ infolge der
klimatischen Verhältnisse zusehends eines steten Zustroms durch weitere Arten aus nah und fern erfreuen durfte, waren es bei den größeren, nämlich unseren heimischen Wildtieren, die
„Alteingesessenen“, die hier die tragende Rolle spielten. Klein und Groß durften sich also nach wie vor eines reich gedeckten Tischs sicher sein.
Allzu oft musste im Hinblick auf die erstgenannte Gruppe der Kerbtiere jedoch abgewartet werden, wer von ihnen wann und wo zuschlug. Entdeckt werden sie meist erst, wenn es zu
spät ist und nachfolgende Maßnahmen der Waldpflege besitzen dann nur noch Beseitigungscharakter. Vorbeugend, wussten Joachim Langshausen und Manfred Trenkhorst zu berichten,
kann auf diesem Sektor aber dann erfolgreich etwas getan werden, wenn man bereits bei der Baumartenwahl nach wohlweißlicher Überlegung die richtigen Entscheidungen trifft.
Genau hier aber, bei der Baumartenwahl, liegt die Crux. Des einen Freud, ist schließlich des anderen Leid, denn, was Wildtiere anbelangt, ticken sie uns Menschen sehr ähnlich: Sie
widmen sich erst einmal den Leckerbissen auf dem Buffet. Schaut man sich die wissenschaftlich fundierte Liste an, in welcher die durchaus zukunftsträchtigen Baumarten zusammengestellt
sind, lassen sich eben jene Köstlichkeiten entdecken, die, wie bereits erwähnt, zwar nicht unbedingt als Schwarm der Schwärme (Insekten natürlich!) zu werten sind, bei Rehen
und deren größeren Verwandten aber gänzlich andere Empfindungen hervorrufen. Und eben diese herzlich zur Verwendung empfohlenen Baumarten waren in den vorgezeigten Flächen der beiden kundigen Privatwaldbesitzer Langshausen und Trenkhorst zu finden.
So lag es buchstäblich auf der Hand, dass sich Jäger und Waldbesitzer einmal direkt am Objekt zusammentaten und -wie geschehen- sich miteinander darüber austauschten und
redeten, was wo zu tun ist. Es galt, die beeinflussbaren Möglichkeiten zu erörtern und das Potenzial der Waldeigentümer und der Jäger gleichermaßen zu nutzen.
Die Beschreibungen der Aufforstungen, die Joachim Langshausen und Manfred Trenkhorst zu den gewählten Baumarten, der erwarteten Entwicklung, den damit verbundenen, intensiven
Pflegemaßnahmen und den nicht vorhersehbaren Fährnissen, die noch auf die jungen Bestände zukommen konnten, lieferten, gaben den Zuhörern durchaus einen sehr realistischen Überblick, dass die vorgezeigten Flächen noch lange nicht aus dem Gröbsten heraus waren. Viele der Anwesenden wussten dazu aus ihren Revieren zu berichten, dass die Hotspots auch dort längst ausgemacht waren und in vielen Fällen die angepriesene Zusammenarbeit zwischen den dortigen Waldbesitzern und den Jägern längst in den Fokus genommen war. Andere wiederum wünschten sich, dass jener Austausch, zu dem der Kreiswaldbauverein und die Kreisjagdgruppe an diesem Samstag geladen hatten, auch regional auf ihrer Revierebene
stattfinden möge. Einerlei, völlige Übereinstimmung erzielten die Jäger und Waldbesitzer, von denen übrigens einige beide Eigenschaften in ihrer Person vereinigten, darin, dass der
Lebensraum Wald unter möglichst günstigen Umständen -und damit schnellstmöglich- regeneriert werden musste.
Dass die zwischen den Ansammlungen der Zielbaumarten (Klumpen) unbearbeiteten Zwischenfelder, die ein wenig „urwaldartig“ anmuteten, als Begleitbewuchs – abgesehen von Brombeerhöllen, die sowohl für Waldbauern, als auch für Jäger gleichermaßen undurchdringlich waren – wertvolle Einstände, Nahrungsaufnahme- und Rückzugsmöglichkeiten für das
Wild boten, war allen, die der Exkursion beiwohnten, offensichtlich. Und hier, das wussten die Forstwirte und die Waidgesellen bereits aus eigener Erfahrung, war es lohnend, den jagdlichen Schwerpunkt hinzuverlegen und eben an jenen Flächen und in deren näherer Umgebung die Büchse zu führen.
Leider, so kommentierten die anwesenden Jägerinnen und Jäger, seien natürlich viele solcher Flächen durch das Umgeben mit einem Forstschutzzaun dem Wild und damit der Jagd
entzogen. Dazu beleuchteten Joachim Langhausen und Manfred Trenkhorst aus eigener Warte den Aspekt der Finanzierung und so auch der Realisierung ihrer Bewaldungsprojekte. Oftmals
gab es keine Alternative zum Zaun, denn: Nahezu einhundert Prozent der Flächen, die im Privatwald als künstliche Verjüngungen daherkamen, waren mit öffentlichen Zuwendungen
bedacht worden. Waldbesitzer waren allein deshalb schon auf diese angewiesen, weil sich die Kosten für Pflanzenbeschaffung und das Ausbringen der Pflanzen in den letzten fünf Jahren
nahezu verdoppelt hatten und eine reine Naturverjüngung auf den ehemals mit Fichten bestockten Arealen war eher spärlich zu finden.
Der Verbleib der gezahlten Fördergelder bei den Empfängern war wiederum daran geknüpft, dass die Einflussnahme des Wildes auf die neuen Anpflanzungen ausgeschlossen wurde. Da,
wo diesem Erfordernis nicht entsprochen wurde, wo also eine Gefährdung des Förderzwecks wahrscheinlich war, oder gar eintrat, drohte den Waldeigentümern der Rückzahlungsanspruch an den Zuwendungsgeber – und das mit Zins und Zinseszins. Welche Waldbesitzerin und welcherWaldbesitzer konnten und wollten sich aber schon einem solchen Risiko aussetzen?
Warum nun an einzelnen Flächen einem Zaun gegenüber Einzelschutzmaßnahmen der Vorzug einzuräumen war, kam damit am Exkursionstag ebenso zur Sprache, wie die
Feststellung, dass beides, wenn es seinen Zweck erfüllt hatte, tunlichst und schnellstmöglich auch wieder aus dem Wald zu entfernen war. Zum Umgang mit „Schutzeinrichtungen“, die
von ihrer ursprünglichen Bestimmung längst den Weg zum „Wirtschaftsgut“ im abfallrechtlichen Sinne genommen hatten, gab es offensichtlich sehr unterschiedliche Ansichten, wenigstens was ihren Verbleib anbelangte.
Als der fachliche Austausch in Gottes freier Natur bei hochsommerlichen Temperaturen am Nachmittag seinem Ende entgegenging und sich die Konzentration bei allen Teilnehmerinnen
und Teilnehmern mittlerweile auf den geselligen Teil des Exkursionstages zu verlagern begann, durften sich Angela Warkentin, Joachim Langshausen und Manfred Trenkhorst mit der Resonanz auf ihr Programm äußerst zufrieden zeigen.
Und dass es bei einer Zusammenkunft von Jägern und Waldbesitzern ausnahmsweise einmal nicht vorrangig um das aktuell die Fachwelt beherrschende Thema der neuen jagdlichen Rechtsetzung ging, mochte wohl daran gelegen haben, dass die Exkursionsteilnehmerinnen und -teilnehmer offensichtlich das Verständnis und das Bewusstsein für die Sache an sich mitgebracht hatten, ganz nach dem Motto: Man muss unterscheiden, zwischen dem, was Aufsehen erregt und dem, worauf es wirklich ankommt!