Stillstand und Ruhe oder nur Entschleunigung?

Erstellt am 04. März 2022

 
„Still ruht der See, die Vöglein schlafen…“, lauten die ersten Zeilen eines Volksliedes von Heinrich Pfeil, der es irgendwann zwischen 1862 und 1887 komponierte und niedereschrieb.
Man kann den Eindruck gewinnen, dass dieses stille Verharren am Seeufer sinnbildlich für die beiden letzten, zurückliegenden Jahre steht. Die Hauptschuld, dass diese Wahrnehmung entsteht, trägt das „Spike-Protein“. Das ist jener wichtige Teil eines äußerst bemerkenswerten Virus, der dafür verantwortlich ist, dass Menschen krank werden. Seine Auswirkungen sind bis zu uns nach Hause spürbar und erlebbar. Das schränkt (uns) ein und so wird das zugegebenermaßen zeitweise drastische Herunterfahren des öffentlichen und privaten Lebens oft als Stillstand wahrgenommen, gerade wieder einschneidender denn je – still ruht der See.
Auch unser Waldbauverein kann sich dieser Entwicklung nicht entziehen. Wann haben wir uns im aktiven Kreis das letzte Mal gesehen, oder konnten einer Einladung, zu welcher Gelegenheit auch immer, Folge leisten?
Klären wir es auf. Es war der 29. November 2019, als wir uns zur Mitgliederversammlung letztmals in Singhofen zusammengefunden haben und danach war dann „Schicht im Schacht“, um es mit den Worten der Bergleute zu sagen.
Wer sich an besagte Mitgliederversammlung erinnert, dem werden die Worte unseres damaligen Referenten, Dr. Jürgen Gauer, evtl. noch gegenwärtig sein. Er berichtete im Rahmen der Klimaveränderungen u. a. über eine bereits in 2018 über die Waldbesitzer hereingebrochene Katastrophe. Das „Aus“ für die Fichtenwälder ist mancherorten bittere Realität geworden. Weitere Wachstums-, Gesundheits- und Stabilitätseinbußen bei anderen Baumarten sind markant und auch für den Laien beim Durchwandern des Waldes erkennbar. Schuld an dieser Misere ist besagtes Virus dieses Mal aber nicht, sondern es waren Hitzewellen, ausbleibende Niederschläge und in deren Folge die massenhafte Vermehrung von Baumschädlingen. Kurzum kann man feststellen, drastisches Wetter, das keineswegs mit Ablauf des Jahres 2018 endete und noch zwei weitere Jahre anhielt – auch aber eine kontinuierlich ruhige Wetterlage eben.
Unter dem Strich könnten wir vermerken: Stillstand, ja sogar Rückschritte in der Waldwirtschaft, Ruhe und Regungslosigkeit bei uns, den Menschen und damit auch im Waldbauverein – klingt irgendwie trostlos.
Ist es aber nicht! Der Schein trügt. Diese Wahrnehmung, dass das Leben still zu stehen scheint und sich der Wald sogar auf einem klimabedingten Rückzug befindet, ist ebenso vordergründig, wie die Wahrnehmung der Menschen am Äquator, man wandele beschaulich auf selbem umher, während die Erde dort aber gleichzeitig mit der absoluten Höchstge-schwindigkeit von 1.680 km/h um ihre eigene Achse rotiert – ein rasender Stillstand sozusagen. Man spürt ihn nur nicht.
Brechen wir diesen Gedankengang jetzt wieder auf den Wald und unseren Waldbauverein um, dann geht es uns nicht anders und es zeichnet sich ein klares Bild ab.
Besonders in diesen letzten „Katastrophenjahren“ war und wurde die „Institution“ Waldbauverein mehr gefordert, als je zuvor. Das mag zum einen an stetig steigenden Mitgliederzahlen in unserem Verein liegen - zum 31.12.2021 konnten wir den bisher höchsten Mitgliederstand in der Vereinsgeschichte mit 178 Mitgliedern verzeichnen - zum anderen aber liegt es auch daran, dass sich eben nicht alle und alles im Stillstand oder in Ruhe befinden und sich Menschen in Zeiten wie diesen auf Dinge besinnen, die bisher nicht an erster Stelle im Tagesgeschäft standen. Der Wald gehört offensichtlich dazu.
Natürlich hat in erster Linie die Natur die Notwendigkeit erzwungen, sich dem Wald wieder eingehender zu widmen – wie Gauer ja schon sagte. Die Alternative zu den immer noch andauernden Bemühungen, kahle Flächen wieder zu Wald werden zu lassen, wäre, dem Ruheprinzip Wilhelm Buschs folgend, gewesen: Am besten hat´s die Forstpartie, der Wald, der wächst auch ohne sie. Da, wo es angezeigt ist, lassen und ließen wir den Wald aber nicht ohne unser Zutun gewähren – von wegen Ruhe, oder Stillstand!
Um die Rolle des Waldbauvereins im Rahmen der intensiven Anstrengungen zur Unterstützung der Waldwirtschaft seiner Mitglieder nun besser einordnen zu können, bemühen wir an dieser Stelle einmal unsere Vereinssatzung.
„Beratung und Unterstützung der Mitglieder bei der Durchführung des Holzeinschlages, der Holzaufarbeitung, der Holzbringung und des Holzverkaufs, Beratung der Mitglieder hinsichtlich sonstiger forstbetrieblicher und forstwirtschaftlicher Fragen, Abwendung von dem Wald drohenden Gefahren und Schäden, Mithilfe und Unterstützung zum Erhalt von Förderungen für forstliche Maßnahmen“, das sind einige der satzungsmäßig festgelegten Tätigkeitsbereiche. Auf die beispielhaft genannten Zwecke erstreckte sich in den vergangenen vier Jahren die Arbeit des Kreiswaldbauvereins Rhein-Lahn im Wesentlichen und im Besonderen, das wöchentlich und manchmal auch täglich. Wie viele Mitglieder in diesem Zeitraum das breite Leistungsangebot ihres Vereins an- und wahrgenommen haben, kann zum heutigen Tage nicht mehr festgestellt werden. Tatsache ist, es waren sehr viele!
Die skizzierten Vereinszwecke sind sehr oft miteinander verknüpft und, wer seinen Waldbauverein darum bittet (oder bat), einen Beitrag zur Lösung des einen oder anderen Problems zu leisten, der wird (hat) erfahren, dass eine Beratung nicht mit dem Auflegen des Telefonhörers oder der Verabschiedung vor Ort endet.
Neben den „klassischen“ Varianten der Korrespondenz, als da sind Termin, Telefonat und E-Mail, erfreut sich neuerdings die zunehmende Nutzung der immer mehr raumgreifenden Technik des digitalen Videochats größter Beliebtheit. Damit haben wir gerade im letzten Jahr mehr erledigen können, als je zuvor. Der Waldbauverein hat sich eigens dazu bereits im Jahr 2020 einen Account (Nutzerkonto) bei einem größeren Anbieter zugelegt und nicht wenige unserer Gesprächspartner nehmen diese Form der Kontaktaufnahme sehr positiv auf, weil man neben dem akustischen Austausch auch ein Bild vor Augen hat – natürlich im virtuell geschützten Raum, das versteht sich von selbst. Wer das ausprobieren möchte, sendet eine kurze Mitteilung an die Geschäftsstelle und der Rest geht dann fast von selbst.
Eine weitere, kraft Satzung festgelegte Aufgabe des Waldbauvereins ist „die Unterrichtung der Mitglieder über eine zweckgemäße Waldbewirtschaftung durch geeignete Fortbildungs- und Informationsmöglichkeiten“. Während Informationsmöglichkeiten durch die bereits erwähnten Medien ausreichend gegeben sind, hapert es aktuell an machbaren Fortbildungs-veranstaltungen jenseits derselben. Dazu zählen u. a. die in 2020 und 2021 „stornierten“ Mitgliederversammlungen, die beliebten Ganztagesexkursionen mit unserem befreundeten Waldbauverein Westerwald und natürlich die Fortbildungsveranstaltungen, wie beispiels-weise diejenige, welche wir zusammen mit der SVLFG für März 2020 anberaumt hatten, die dann aber des Infektionsgeschehens wegen abgesagt werden musste. Gleiches trifft auch für vorgesehene Motorsägenschulungen zu. Nachdem lediglich zwei Stück mit reduzierter Teilnehmerzahl stattfinden konnten, waren sie im vergangenen Herbst dann auch schon wieder so schnell vorbei, wie sie begonnen hatten.
Vieles war also geplant, fiel aber dem seit Januar 2020 geltenden Verhaltenskodex zum Opfer und damit ins Wasser.

Vorstand und Geschäftsstelle sind sich hier aber einig und haben im Gegensatz zu so manchem politischen Würdenträger eine klare Richtung, die sich nicht jede Woche einmal ändert. So lange keine sichere Zusammenkunft ermöglicht werden kann und der eine Sitz- oder Standnachbar den anderen nicht ruhigen Gewissens ansprechen kann, ohne vorher mehrmals mit diesem Impfstatus und diverse Krankheitsverläufe ausgetauscht zu haben, so lange müssen vom Waldbauverein organisierte Veranstaltungen unter Anwesenheit unserer Mitglieder auf Eis liegen, auch, wenn der „Bewilliger von forstlichen Fördermitteln“ infolge eines der Situation geschuldeten Veranstaltungsausfalls keine Fördermittel gewährt.
Und nur am Rande: Wer einmal das „Vergnügen“ hatte, bei der Verfolgung einer Kausalkette im Infektionsgeschehen eigebunden zu sein oder gar mitwirken „durfte“, stellt schnell fest, dass dem gegenüber das ungeliebte Ausfüllen unzähliger Maßnahmen- und Zahlanträge nebst Zusammenstellung der zusätzlich beizugebenden Unterlagen für die forstliche Förderung eine recht „entspannte“ und strukturierte Aufgabe ist.

Am 05. Oktober des abgelaufenen Jahres gelang es dem Vereinsvorstand dann doch noch, sich regelkonform persönlich zusammenzufinden. Die Tagesordnung war dem langen Zeitraum, den es aufzuarbeiten galt, entsprechend.
Dem vorausgegangen waren die für die Haushaltsjahre 2019 und 2020 noch vorzunehmenden Kassenprüfungen. Im Ergebnis führte die Prüfung in beiden Fällen zu keinen Beanstandungen (mit Ausnahme eines Summenfehlers) und damit konnten die Haushaltsabschlüsse nach Billigung durch die Kassenprüfer auch vom Vorstand „abgesegnet“ werden. Jetzt warten sie darauf, in einer irgendwann wieder anberaumten Mitgliederversammlung vorgestellt zu werden.
In der Vorausschau auf ein zum damaligen Zeitpunkt erwartetes, offensichtlich entspannteres Jahr 2022 nahm der Vorstand dann auch gleich zwei solcher Mitgliederversammlungen ins Visier. Die eine wurde für das Frühjahr 2022 vorgesehen. An erster Stelle sollte sie der Mitgliederinformation über das Vergangene und das Kommende dienlich sein. Die zweite, für den späten Herbst ins Auge gefasste Versammlung, sollte insbesondere für die satzungskon-forme Neuwahl des Vereinsvorstandes einberufen werden, denn dessen reguläre Amtszeit läuft zu diesem Zeitpunkt aus.
Je eine Ganztages- und eine Halbtagesveranstaltung wurden für 2022 ebenfalls schon prophylaktisch, wenigstens auf dem Reißbrett, konstruiert.
Soweit der Plan, von dem niemand weiß, ob er nun auch umgesetzt werden kann. Angesichts der aktuellen Risikobewertung steht das nämlich erst einmal wieder in den Sternen – warten wir also ab.

Ein Dauerbrenner, der sich über lange Zeit wie ein roter Faden durch die Arbeit des Waldbauvereins zog, kam im vergangenen Sommer endlich zu einem befriedigenden und durchaus positiven Abschluss.
Es geht wieder einmal um die Vermarktung der Nutzhölzer unserer Privatwaldbetriebe. Bereits in einigen früheren Ausgaben des „Waldbesitzer“ hatten wir vom Werdegang berichtet.
Der Weg bis zur letztlichen Entscheidung war ein langer und mühsamer. Für den Waldbauverein Rhein-Lahn begann er im Sommer 2017 und endete, wie gesagt, vier Jahre später im Sommer 2021.
Um es an dieser Stelle aber noch einmal zu rekapitulieren: Der ganze Fackelzug, der hier abgehalten wurde, war keine fixe Idee der Forstverwaltung oder eine Beschäftigungstherapie des Waldbauvereins mit sich selbst. Vielmehr entsprach der Energieeinsatz auf diesem Sektor dem ersten, oben erwähnten Vereinszweck und Auslöser dafür war der seit Jahren währende Kartellstreit im sog. „Rundholzverfahren“, zu dessen Anzettelung sich einige „beschwert Fühlende“ aus Kreisen der Säge- und Holzindustrie aufgemacht hatten.

Jetzt sind Nägel mit Köpfen gemacht und so wird der Holzverkauf aus dem Privatwald künftig neben demjenigen aus dem Kommunalwald durch die „Kommunale Holzvermarktung Westerwald-Rhein-Taunus“ mit Sitz in Höhr-Grenzhausen, kurz „HolzWRT“ genannt, gestemmt und erledigt.
Vordergründig ändert sich für die Privatwaldbesitzer im praktischen Betrieb wenig bis nichts. Die zuständigen Revierförsterinnen und Revierförster bleiben Ansprechpartner vor Ort. Das Auszeichnen der zum Einschlag anstehenden Bäume, Holzsortierung, Holzaufnahme und die später stattfindende Vorzeigung liegen wie gewohnt in deren sachkundiger Hand. Dann, wenn das Holzaufnahmebuch an das zuständige Forstamt übergeben worden ist, ändert sich allerdings der Verfahrensweg. Darunter sind Einsteuerung der Verkaufsmengen zu Kaufverträgen und das Erstellen der Abrechnungsunterlagen zu verstehen. Diese Arbeiten, die früher einmal in der Sachbearbeitung des Forstamtes angesiedelt waren, übernimmt nun die HolzWRT. Einige Waldbesitzer haben durch die Erteilung von Verkaufsvollmachten und beim Erhalt von Rechnungsunterlagen bereits Kontakte zum „neuen Verkäufer“ geknüpft und das mit positiver Resonanz, wie festzustellen ist.
Und wie man hört, sollen die Kosten für den Holzverkauf ja auch günstiger sein, als das ehemals beim Land der Fall war. Nun ja, manchmal gibt es eben doch noch Dinge die offensichtlich besser und nicht nur anders werden.

Wollen wir noch einen Blick auf nüchterne Fakten und Vereinszahlen, sprich auf die Bilanz zum Ende des Jahres 2021 werfen. Die wäre, würden wir tatsächlich eine erstellen, rundum positiv.
Diese Feststellung betrifft auf der einen Seite die finanzielle Situation unseres Vereins. Obwohl zu Beginn des Jahres unsere EDV-Ausstattung infolge eines Überspannungsschadens im wahrsten Sinne des Wortes „abgeraucht“ ist und vollständig erneuert werden musste, was einen nicht unerheblichen Kostenfaktor darstellte, sind Kassenbuch und Kassenstand erfreulich anzuschauen.
Der zweite, positive Effekt, ist, wie weiter vorne schon erwähnt, ein kontinuierlich zu verzeichnender Mitgliederzuwachs. An diesen wiederum ist dann auch die Erweiterung der im Waldbauverein organisierten Waldfläche gebunden, die sich aktuell auf über 2.200 Hektar beläuft. Von diesen sind zum heutigen Tage 64 % unserem PEFC-Zertifikat angeschlossen. Zu Beginn des Jahres 2019 war das noch nicht einmal die Hälfte.
Dem äußerst kostengünstigen Waldbrandversicherungsangebot unseres Waldbauvereins kommt ebenfalls eine immer größere Bedeutung zu. Mehr als 80% unserer Mitglieder haben sich zwischenzeitlich der zwischen dem Waldbauverein Rhein-Lahn und der Westfälischen Provinzialversicherung getroffenen Rahmenvereinbarung angeschlossen. Sehr positiv ist dabei die Tatsache zu bewerten, dass vier Brandereignisse im Wald unserer Mitglieder, die sich in den Jahren 2019 – 2020 abgespielt haben, anstandslos von unserem Vertragspartner reguliert wurden. Damit scheint der Beitritt zu diesem Versicherungsverhältnis nicht nur der günstigen Versicherungsprämie wegen empfehlenswert zu sein.

Alles in allem liegt nun auf der Hand: Es gab wichtige, entscheidende und auch gute und positive Ereignisse, Projekte und Themen, die das Jahr 2021 aus Sicht des Waldbauvereins Rhein-Lahn in einem günstigen Licht dastehen lassen und das, trotz der ausführlich beschriebenen Stillstandszenarien.

Enden soll dieser Bericht, wie er begonnen hat, mit den Zeilen eines Volksliedes, das hoffnungsfroh in die Zukunft blicken lässt:

„Im Grün erwacht der frische Mut, wenn blau der Himmel blickt.
Im Grünen da wird alles gut, was je das Herz bedrückt.“

In diesem Sinn: Machen Sie sich auf in Ihren Wald!

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